BAUERNOPFER
oder
Die Justiz beugt sich dem Zeitgeist
Darf man bei Aussage-gegen-Aussage-Konstellation verurteilen - wohl wissend, dass man das Leben eines Menschen und seiner Angehörigen damit ruiniert? Oder sollte nicht nach wie vor der Grundsatz "in dubio pro reo" gelten, wenn es weder Beweise noch Tatzeugen gibt?
In Deutschland, und ganz besonders in Bayern, darf dennoch verurteilt werden, dem Richter allein obliegt es, zu entscheiden, wem er glaubt und wem nicht.
In unserem Fall hat die erneute Verurteilung meines Mannes zu unserer weitgehenden Existenzvernichtung geführt.
Dass mein Mann die ihm zur Last gelegten Vorwürfe größtenteils bestreitet, dass die angeblichen Vorfälle viele Jahre zurückliegen, die "traumatisierten Opfer" auch danach noch Kontakt hielten, der weit über das beruflich notwendige Maß hinausging - eine der Frauen lud uns noch drei Jahre lang zu gemeinsamen Tourneen und Urlaubstagen in ihr Haus in Mexiko ein, die andere beriet meinen Mann beim Verfassen der Booklet-Texte seiner Mozart-CDs, bei der Besetzung einer Professur und ließ sich gerne von ihm zu einem vertraulichen Abendessen zu zweit einladen - dies alles half ihm nicht.
Warum glaubte der Richter den Frauen mehr als meinem Mann? Weil man heute, aufgrund der allgegenwärtigen Neuzeit-Pest namens "political correctness" Frauen einfach glauben MUSS, und da in Deutschland Männer in "Machtpositionen", die noch dazu einen unorthodox-legeren Führungsstil pflegen und eine libertäre Lebensform wählten - sprich: sinnlich und verführbar sind und dazu stehen! heutzutage ohnehin einfach als Auslaufmodelle betrachtet werden?
Weil die Gesetzgebung nach wie vor keine Strafe vorsieht für gezieltes Ausnützen männlich-menschlicher Verführbarkeit um berufliche Vorteile zu ergattern? Wenn's nicht ganz so läuft wie geplant, kann man sich später ja auch weitgehend risikofrei der Justiz bedienen, um Rache zu üben...
Im Laufe des Verfahrens verstrickten sich beide Frauen in Widersprüche, keine ihrer je drei protokollierten Aussagen waren kongruent zueinander, und wurden offensichtliche Falschaussagen aufgedeckt, reichte ein zerknirschtes: Tut mir leid, da hatte ich wohl etwas falsch in Erinnerung... aus, dass Richter und Schöffen die falsche Aussage (oder Lüge?) großzügig verziehen.
Meinem Mann hingegen konnte keine einzige Lüge nachgewiesen werden. 
Keiner der Zeugen der Anklage trug zur Manifestierung der Vorwürfe bei - der einzige "Fast-Tatzeuge", der kurz nach dem angeblichen und zur Verurteilung führenden Übergriff den Raum betrat, bemerkte keine Berührung zwischen beiden Personen, sondern ein "Engbeisammensitzen wie bei einem Liebespaar", was wohl ziemlich eindeutig auf Einvernehmlichkeit einer Flirterei unter erwachsenen Menschen hindeutet.
Die erneute Verurteilung meines Mannes ist nur insoweit nachvollziehbar, als dieser aufgrund seines Erfolgs und seiner Position zum Politikum wurde - er soll zum Exempel statuiert, dem hysterisierten Zeitgeist geopfert werden, damit alle anderen auf seinem Rücken ihre zum Teil dunkelgrauen Westen reinwaschen können.
Als Nicht-Juristin, jedoch aus einer Juristenfamilie mit vielen Juristenfreunden stammend, schockiert mich der Spielraum, bzw. die Willkür, die die Gesetzgebung einräumt, zumal geltendes Recht bei uns ja ohnehin einerseits vom Bundesland abhängt - eine Richterfreundin aus Köln bestätigte meine Vermutung, dass in NRW die Akte längst geschlossen worden wäre - andererseits von gesellschaftlichen Entwicklungen und Trends, worauf BGH-Richter Thomas Fischer ja in seiner letzten Kolumne ausführlich einging: "Dass in einer solchen Welt das Lästern Gottes bestenfalls ein Comedy-Gag ist, das ungebetene Berühren eines fremden Körpers aber "traumatisierendes" Verbrechen, könnte Außenstehenden als verrückt erscheinen, ist aber intern von hoher Rationalität: Es ist die schöne neue Welt der Agenda 2010."
Herzlich willkommen im Jahrtausend der beleidigten Frau, das - so Philosoph Peter Sloterdijk - gerade erst begonnen hat!