SZ, 5. Januar 2018

 

Mausers Ehefrau spricht vor Gericht von einem "Königsmord"

Aus dem Gericht von Thomas Schmidt


Die Zeugin wirkt nervös. Ihre leise Stimme klingt ein wenig heiser, sie bittet die Richterin höflich, das zu entschuldigen. Kerzengerade sitzt sie auf ihrem Stuhl. Elegant und akkurat ist sie gekleidet, die dunklen Haare entschlossen zu einem Dutt verschnürt. Entschlossen wird sie gleich auch aussagen im Saal A 229 des Justizzentrums.
Zweieinhalb Stunden lang wird die 50-jährige Sängerin und Schauspielerin versuchen, ihren Ehemann Siegfried Mauser zu entlasten, den früheren Rektor der Hochschule für Musik und Theater. Ihm wird zur Last gelegt, eine Frau vergewaltigt zu haben. Eine zweite sagt, der 63-Jährige habe sie in drei Fällen sexuell genötigt. Mausers Ehefrau hingegen sagt: "Es gab keine sexuellen Übergriffe." Und sie erhebt ihrerseits scharfe Vorwürfe.
"Es geht um unser Leben, unsere Existenz. Wir haben alles verloren. Alles."
Seit November 2017 wird vor dem Landgericht gegen den Musikprofessor verhandelt. Bereits im April wurde er in einem anderen Fall wegen sexueller Nötigung zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Doch das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Mauser beteuert seine Unschuld. Und das tut am Freitag auch seine Frau.
"Eine Handvoll Leute" führe einen "Vernichtungsfeldzug" gegen ihn, sagt die 50-Jährige als Zeugin vor Gericht. Aus Frust und aus Rache, weil er den Frauen keine Stelle an der Hochschule verschafft und einem Mitarbeiter nicht bei seiner Verbeamtung geholfen habe, sei es zu einem "Königsmord" an der Hochschule gekommen. Die 50-Jährige spricht von einem "Marie-Antoinette-Syndrom". 1793 starb die Königin der Franzosen auf dem Schafott. Und nun sagt Mausers Frau: "Es geht um unser Leben, unsere Existenz. Wir haben alles verloren. Alles."
Die Ehefrau sagt: Manche Frauen hätten Mauser sogar gestalkt
Kennengelernt hätten sich beide 1993 im Rahmen eines Konzerts. Sofort habe sie gewusst: "Dieser Mann oder keiner." Der heute 63-Jährige habe einen "Mannsbild-Charme", dem viele Frauen erlegen seien. Er sei ein "Sunnyboy" gewesen, herzlich, begabt, intelligent, "immer superbeliebt" und umschwärmt. Viele Frauen hätten ihn umgarnt, manche sogar gestalkt. "In der Pop-Szene nennt man das wohl Groupies." Auch die Nebenklägerin, die ihrem Mann nun eine Vergewaltigung vorwirft, habe sich ihm beim ersten Aufeinandertreffen "lasziv" genähert. Er habe zwar "die eine oder andere Affäre" gehabt, sei dabei aber stets "den Angeboten der Frauen" erlegen, anstatt die Techtelmechtel von sich aus zu forcieren. "Ich habe ihn noch nie auch nur ansatzweise gewaltbereit erlebt", betont seine Frau vor Gericht.
Die Version der Staatsanwaltschaft und der Nebenklägerin klingt nicht so harmlos. Mauser habe sie im Herbst 2004 umklammert, bäuchlings auf die Couch gedrückt, "dann hat er sich an mir zu schaffen gemacht". Sie habe geschrien vor Schmerz und wollte weglaufen. Als er fertig war, habe er gesagt: "So, jetzt ist das Sofa eingeweiht." Zehn Tage später sei es erneut zum Geschlechtsverkehr gekommen. Heute wisse sie nicht mehr, warum sie damals mit ihm ins Hotel gegangen sei. "Vielleicht wollte ich das Schreckliche heilen." Und: "Es bestand ja immer noch die Möglichkeit, eine Arbeit zu bekommen." Erst als im April 2016 im Radio über den ersten Prozess berichtet wurde, habe sie Anzeige erstattet.
Mausers Ehefrau gibt deswegen auch der "tendenziösen Berichterstattung in der Presse" eine Mitschuld daran, dass es zum Prozess gekommen ist. Ursächlich sei aber wohl ein Streit zwischen ihrem Mann und einem Kompositionsprofessor. Dieser habe, um seine Karriere voranzutreiben und einen Kollegen zu diskreditieren, an der Hochschule Gerüchte gestreut, ein Mitarbeiter halte eine Studentin "als Sexsklavin im Keller". Mauser habe daraufhin die Studentin befragt, die die Geschichte erstaunt abgestritten habe. Nun aber habe besagter Professor sogar schriftlich das Gerücht verbreitet, Mauser würde als Rektor sexuelle Übergriffe eines Kollegen decken, weil er mit ihm befreundet sei. So begann aus ihrer Sicht wohl der langsame "Königsmord": Ein Geflecht aus Lügen, das ihrem Mann schaden sollte.
Unappetitliche Gerüchte seien in Musikerkreisen nicht ungewöhnlich, führt die 50-Jährige weiter aus. Auch zu Mausers Zeit beim Mozarteum in Salzburg sei die Lügengeschichte herumgegangen, es gebe eine "Salzburger Grapschliste" mit seinen vermeintlichen Opfern. Doch "sie wurde nie gefunden, es gab nie Beschwerden".
Ihr Mann, betont die Sängerin, sei stets um Harmonie bemüht. Aggressive Verhaltensweisen seien ihm völlig fremd. "Aber wenn man so lange eine Führungsposition innehat, tritt man auch Leuten auf die Füße." Frauen als Belohnung für Sex Stellen zu vermitteln, sei ohnehin nicht möglich gewesen. Das habe ihr Mann schlicht nicht entscheiden dürfen. "Ich habe noch nie eine so ohnmächtige Machtposition gesehen", sagt sie, "wie die des Musikschul-Präsidenten." Der Prozess dauert an.

 

Anmerkung: Die Frau, die meinen Mann (der damals Single war) der Vergewaltigung bezichtigt, hatte nicht nur - wie im Artikel fälschlich dargestellt, zehn Tage nach dem Vorfall erneuten Geschlechtsverkehr mit ihm in einem Hotel, sondern besuchte eines seiner Konzerte in Tutzing, zu dem sie extra von Bamberg angereist war, verbrachte anschließend die ganze Nacht mit ihm in seiner privaten Wohnung in Herrsching und ließ sich am nächsten Morgen von ihm nach München fahren. Auch danach kam es noch - auf ihre eigene Initiative - zu weiteren sexuellen Kontakten zwischen den beiden, bevor mein Mann bei einem gemeinsamen Essen in Bamberg ein ausführliches klärendes Gespräch mit ihr führte und die Liason beendete, da er sich für einen Neuanfang mit seiner Exfreundin (mir) entschieden hatte. 

 

 Zum Artikel: Studentinnen sagen für Mauser aus