Moritz und Siegfried 1995
Moritz und Siegfried 1995

Moritz Eggert - der verlorene Sohn

 

Dass ich dieser Person einen ganzen Artikel widme, hat einen sehr persönlichen Grund: Mein Mann hat ihn geliebt. Wie einen kleinen Bruder oder sogar wie einen großen Sohn. 

 

Eggert hat die Zerstörung unseres Lebens initiativ betrieben. Zu einem Zeitpunkt, als wir am glücklichsten waren, auf dem Höhepunkt der Karriere meines Mannes, hat er uns vom Olymp gestürzt, und dahinter steckte - was mein Mann lange nicht wahrhaben wollte - wohl eine fast fanatische Vernichtungsenergie.

 

Wie konnte es dazu kommen?

 

Als Philanthrop durch und durch sieht mein Mann den Menschen in seiner Ganzheit, jeder Fehler hat eine Ursache und auch ein Gegengewicht, ist daher verzeihbar.

Bei Moritz Eggert müsse man seiner Meinung nach tief in seine Vergangenheit zurückblicken, um den Bruder- oder Vatermord verstehen zu können. Dies auszuführen würde eine Verletzung der Intimsphäre bedeuten, und davon werde ich selbstverständlich absehen.

Unsere Intimsphäre hingegen wurde komplett missachtet, privateste Details, die keinen Außenstehenden auch nur das Geringste angehen, wurden ohne jegliche Rücksicht, jenseits jeder Mindestgrenze des Anstands und zudem völlig verzerrt in der Öffentlichkeit breitgetreten. Nichts wurde ausgelassen um reine Schlussfolgerungen derart zu kontextualisieren und zu untermauern, damit man ja am Ende recht behält.

 

Inzwischen bin ich schmerzfrei, und diese neugewonnene, nie gekannte Freiheit gibt mir die Kraft weiterzuleben, weiterzukämpfen, niemals aufzugeben, bis auch der Letzte die Wahrheit verstanden und akzeptiert hat: Mein Mann wurde unschuldig zum Sündenbock einer ganzen Generation, einer Szene, die „Kultur“ repräsentieren will, gestempelt. Kultur bedeutet für mich auch Menschlichkeit. Die ist in unserem Fall auf der Strecke geblieben.

 

Ich könnte viel erzählen: Wie Moritz Eggert an die Hochschule in München kam, wie sehr mein Mann ihm dabei geholfen hat, wie enttäuscht er dennoch war, dass ihm nicht alle Wünsche erfüllt werden konnten, wie er sich wiederum in Salzburg, als mein Mann noch Rektor des Mozarteums war, um eine Stelle bewarb - und sich wohl deshalb mit ihm auf einmal all seinen moralischen Bedenken und dem angeblichen “Fehlen des opportunistischen Gens“ zum Trotz - kurzzeitig "versöhnte" - ich werde zum jetzigen Zeitpunkt aber nur einzelne Geschehnisse herausgreifen, die exemplarisch sind für die Chronik einer angekündigten Vernichtung eines wunderbaren Menschen.

 

Moritz Eggert, der nachweisbar - trotz einer bis dato etwa dreißig Jahre währenden engen Freundschaft zu meinem Mann - alle Vorgänge gegen diesen in Bewegung gebracht hatte, zeigte ihn bereits am 7. Dezember 2014 als erster im Rahmen der Ermittlungen gegen den Kollegen Hans Jürgen von Bose bei der Polizei an - zunächst aufgrund einer meines Erachtens eher belanglosen Geschichte, die ihn damals jedoch nach eigenen Worten unglaublich schockiert hätte und die er nach seiner polizeilichen Aussage in Emails, welche an einen größeren Verteiler adressiert waren, verbreitete: Mein Mann hätte die Bitten sexuell bedrängter Opfer (man beachte den Plural!) nicht erhört um den Kollegen von Bose zu decken. Auch mir schrieb er damals kryptisch, ich werde irgendwann verstehen, warum er so drastisch reagiere - mein Mann sage mir nicht die Wahrheit, da diese ihm peinlich sei... 

 

Die Geschichte: Frau S., die Herr Eggert nach eigenen Angaben gerade erst kennengelernt hatte, und die zu keinem Zeitpunkt Angehörige der Hochschule, sondern die damalige Freundin H.J. von Boses war, hätte meinen Mann "auf der Flucht vor Herrn von Bose zufällig in Frankfurt getroffen, ihm von dem erzählt, was ihr zugestoßen war (angebliche Vergewaltigung in der Beziehung), worauf er ihr nicht nur keinerlei Hilfeleistung anbot, sondern selber sexuell aufdringlich wurde." 

Tatsächlich hatte Frau S. meinen Mann weder in Frankfurt, noch zufällig getroffen,  geschweige denn war sie auf der Flucht vor Herrn von Bose, sondern besuchte gezielt eine Lehrveranstaltung meines Mannes in Karlsruhe, wo sie zu der Zeit an der Hochschule für Gestaltung studierte. Sie verabredete sich mit meinem Mann ganz selbstverständlich gegen Mitternacht in seiner Hotelbar - vorher war dieser mit dem Komponisten Wolfgang Rihm zum Abendessen verabredet.

Richtig ist in der Tat, dass sie meinen Mann um Hilfe bat, nämlich um Unterstützung bei ihrer Dissertation: Ihr Professor, der Medientheoretiker Dr. Boris Groys, war bereits auf dem Absprung in die USA, da er einem Ruf an die Columbia University New York zu folgen gedachte; mein Mann sollte Groys bitten, ihre Dissertation weiterhin zu betreuen - sie wusste, dass die beiden befreundet waren. Natürlich hat mein Mann sich erfolgreich für Frau S. bei Groys eingesetzt - selbstverständlich ohne eine Gegenleistung zu verlangen. Zu später Stunde (gegen zwei Uhr nachts und in angeheiterter Verfassung) hatte er ihr aus Sorge (das Hotel lag in der Bahnhofsgegend) zunächst (scherzend) sein Hotelbett angeboten, dann (ernsthaft) ein Taxi zu bezahlen, was sie aber ablehnte, bevor man sich gutgelaunt voneinander verabschiedete und sie zu Fuß nach Hause ging.

Auf Nachfrage meines Mannes nach dem Gesundheitszustand Herrn von Boses, der zu der Zeit sehr oft krank geschrieben war und kaum mehr zum Unterricht erschien, was meinen Mann selbstredend belastete, berichtete sie auch über ihre, für sie wohl  nicht unproblematische Beziehung zu diesem, mit keinem Wort jedoch war damals von Bedrohung oder gar Gewaltanwendung ihr gegenüber die Rede. Im Gegenteil: Sie wünschte sich eine engere Beziehung, bzw. eine Alleinstellung, die auch eine Trennung von Herrn von Boses Ehefrau bedeutet hätte - dabei konnte mein Mann ihr leider nicht helfen.

 

Meine Frage: Ist diese Geschichte tatsächlich so skandalös und schockierend, dass man einen alten Freund, dem man viel zu verdanken hat, deshalb denunziert und dadurch wissentlich initiiert seine Existenz komplett zu ruinieren und sein Leben, sowie das seiner Angehörigen zu zerstören - ohne ihn vorher persönlich zumindest dazu Stellung nehmen zu lassen? 

 

In letzter Zeit äußerte sich Moritz Eggert des Öfteren in die Richtung, meinem Mann könne vergeben werden, würde er endlich zu seinen "Vergehen" stehen. Ob er selbst nun doch ein Problem damit hat, wie unerschütterlich mein Mann dabei bleibt, seine Unschuld zu beteuern? Kommen nun selbst ihm langsam Zweifel?

 

Mein Mann hatte fest an unser Rechtssystem geglaubt. Obwohl seine Karriere, sein Lebenswerk bereits durch den bloßen Verdacht und die Vorverurteilung durch die Medien ruiniert war, ging er voller Vertrauen und Zuversicht in die zermürbenden Gerichtsverhandlungen, hielt es für ausgeschlossen verurteilt werden zu können für etwas, das er nie und nimmer getan hatte: Gewalt gegen Frauen anzuwenden oder mit Gewalt gegen deren Willen zu handeln. Die Möglichkeit einer eventuellen, von ihm unbeabsichtigten Belästigung räumte er von Anfang an ein und bat für ein solches Missverständnis auch um Verzeihung.

 

Auf Vergebung können wir jedoch inzwischen verzichten. Wir streben einzig nach Gerechtigkeit, und die haben wir - jenseits aller Gerichtsurteile - bereits in uns selbst gefunden.

 

Hinweis - für alle Fälle: Alle Vorgänge, die ich hier beschrieben habe, können mit schriftlichen Dokumenten belegt werden. Moritz Eggert ist eine Person des öffentlichen Lebens - daher habe ich mir erlaubt, von mir privat aufgenommene Fotos mit seiner Abbildung zu zeigen.

 

Lesen Sie hier: Offener Brief an Christine Schornsheim

Sexuelle Belästigung? Siegfried mit Moritz im August 2014
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